Heidedistanz 2016 - von Claudia Pflüger

9. Oktober 2016
Heidedistanz 2016
Von Claudia Pflüger


Wie ein Vorhang zu einer Welt, der sich öffnet, wenn man in Feuerschützborstel auf die Paddockwiese der Heidedistanz fährt.

Für uns sollte es die 4. Heidedurchquerung sein. Diesmal als Reiterehepaar, sozusagen. Unser junges Trosserteam, in der Zusammenstellung, das erste Mal dabei.

Nach bestandener Voruntersuchung, wurden erst einmal alte und neue Gesichter begrüßt, und lecker Suppe gelöffelt. Es sollten insgesamt 34 Reiter mit ihren Pferden sein, die durch die Nacht reiten. Die Spannung steigt, mit fortschreiten der Zeit. Der Fackelschein erleuchtet die Wiese, und zieht zum Ziel. Mit ihm flackert nicht nur der Schein, auch das Adrenalin steigt, die Vorfreude ist groß.

Nach einem großen Schluck Schlehenlikör geht es endlich los. Die ersten Kilometer vergehen wie im Flug. Begeistert bin ich immer wieder, wie sicher die Ponys in der Dunkelheit laufen.

Nach 40km die erste Pause war für Pferd und Reiter nötig. Gespenstisch, fast gruselig, wie die Pferde im Dunkeln erscheinen und verschwinden. Vortraben im Scheinwerferlicht, überall Pferde, Menschen. Die Geräuschkulisse erscheint viel lauter, als im Hellen.

Die nächsten 20km gingen so schnell vorbei, dass unsere Trosser mit uns noch gar nicht gerechnet haben.

Nun war es nicht mehr weit zum wohlverdienten Frühstücksstop bei km 80. Die Küchenfeen haben wieder alles getan, die Reiter, Trosser, Helfer und Tierärzte aufs Leckerste zu verwöhnen. Nach dem doch recht langen Asphaltstück waren auch die Pferde froh, 60 min Pause zu haben.

Wieder frisch konnten die nächsten Kilometer unter die Hufe genommen werden. Hier roch es das erste Mal nach Heide. Endlose Sandwege vor dem Pferd, rechts und links wunderschöne Heidepflanzen und sanfte Hügel, ab und an ein Spaziergänger, der verwundert hinter uns herschaut. Mögen die Muskeln bis hierher schon ab und an gekniffen haben, lässt dieser Anblick das doch vergessen. Nach 100 kommt schnell 120. Das wohl schwierigste Stück, vor allem für den Reiterkopf. Manch wunderschöne Weite wirkt unendlich, wenn sich Müdigkeit breit macht. Der Laufwille der Ponys hielt uns bei der Stange. Und nicht nur einmal ermahnten wir die zwei, an die noch zu bewältigenden Kilometer zu denken.

Hatten wir zwar 118km hinter uns, kamen uns die letzten 2 zum Stopp verrückt endlos vor. Und doch, der Geruch von Milchreis und Nudeln kroch in die Nase, und da war sie, die Pause. Das Starterfeld hatte sich nun schon etwas gelichtet, die Schlange zur Untersuchung war verschwunden, so konnten wir die ganze Pause zum ruhen und essen nutzen. Auch die Ponys taten dies ausgiebig.

Frisch gestärkt, klangen 40km nicht mehr so schlimm. Die immer wieder am Wegesrand entdeckten Kontrollposten ließen uns gar keine Gelegenheit, unfröhlich zu sein. Stets ein Lächeln auf den Lippen, ein Getränk für uns und neben Wasser einen Apfel für die Pferde. Was will man mehr? Ein nettes Pläuschchen mit einer Joggerin, und freundlich winkende Radfahrer. Wen man so alles trifft, wenn man unterwegs ist.

Die letzte Pause, bei km 140 war fast kuschelig. Das Ziel fest vor Augen, nutzten wir auch diese Pause, um noch einmal Kraft zu tanken. Die Ponys liefen fantastisch. Immer noch motiviert, überzeugte auch der Seth, dass ihm laufen wirklich Spaß machte. Es sollte schließlich sein erster Hundertmeiler werden. Bis auf den sagenumwobenen letzten Kilometer, der sich immer endlos zieht, verging die Zeit wie im Flug. Und was ich oft auf anderen Veranstaltungen vermisse: die Menge Menschen, die einem entgegenjubelt, auch wenn man nicht der Erste ist. Und wieder fließen Freudentränen, es geschafft zu haben. Wobei unsere Cheftrosserin das mit den Tränen am besten kann und ansteckend wirkt.

Nach dem Duschen der Pferde, rief förmlich die Dusche für uns. Und natürlich das sagenhafte Büfett. Wie kann man nicht satt werden? Am nächsten Tag war es wieder sehr schön, die Nachuntersuchung mit Publikum zu absolvieren. Da macht das Freuen doppelt so viel Spaß. Nahany lief mit mir das 4. Mal die Heide, davon 3 Mal komplett. Für den Seth war es der erste Hundertmeiler, und er hat es so toll gemacht. Diesmal war es eine Aufgabe, uns zu trossen, neben dem Nachwuchs, der betreut werden musste, haben unsere Mädels das Zugfahrzeug fortbewegt, und uns rundum bestens versorgt.

Die Siegerehrung war wie immer der Hammer. Die Preise! Man fühlt sich wie der Champion, so mit all den Preisen unter dem Arm, auch wenn man nicht erster geworden ist. Erste ist übrigens auch eine Thüringerin geworden. Tina Schüller ritt mit Alegra nicht nur auf Platz 1, sie erhielt auch den BC. Meinen größten Respekt hat das Heideteam, einen Riesen Stab an freiwilligen Helfern, die sich die Nacht um die Ohren schlagen, und immer freundlich sind. Essen, Essen, Essen… Bestens kulinarisch versorgt. Tolle Paddockwiesen, super markierte Strecke. Da gibt es eigentlich nur noch eins zu sagen.

Bis nächstes Jahr!

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